Die Idee

Kürzlich entstand der Wunsch, die Blog Idee auszuweiten und Live Blog Events zu veranstalten. Eine Eventserie, in der Ort (Start: Wien) und Zeit (jeweils 18:30-20:30) fixiert sind. Teilnehmer und Thema sind offen. Es kommt, wer sich anmeldet, das Thema setzten wir spontan, was sich uns gerade zeigt und aufdrängt. Das Ziel ist der Austausch, Impulse zu setzen, neue Fragen zu stellen anstatt abschließende Antworten zu liefern.

Die Startveranstaltung im Februar war äußerst vielversprechend: eine kleine feine Gruppe und dichte, spannende 2 Stunden. Natürlich ist es weder möglich noch erstrebenswert, den genauen Gesprächsverlauf wiederzugeben, aber wir möchten ein paar Gedanken und Ideen mit den Zuschauern zu Hause teilen. Hier ein erster Wurf:

Sinn und Zweck von Innovation?

Was ist eigentlich der Sinn von Innovation? fragte ich in die Runde. Denn mir fällt auf, dass Innovation so gut wie immer positiv besetzt ist. Innovativ, das wollen und sollen Länder, Unternehmen, Universitäten und Menschen sein. Innovation bedeutet automatisch Wachstum, Wohlstand, Zukunft und Entwicklung, hin zu einem immer Besseren.

Die Antworten fallen unterschiedlich aus, es kristallisieren sich 3 wesentliche Richtungen heraus:

  1. Innovation als Anpassungsleistung und Antwort auf neue Gegebenheiten (Evolution)
  2. Innovation als innerer Drang, immer wieder Neues zu erfinden und zu erschaffen, ein kreativer und spielerischer Zugang, auch wenn sie per se weder nützlich oder notwendig ist. Ein Ausprobieren unserer Fähigkeiten, das Weiten und Überschreiten von Grenzen, die Lust am Forschen
  3. Innovation als wirtschaftliche Notwendigkeit um Wachstum am Laufen zu halten. Innovation im Hinblick auf Technologie, Produkte, Märkte und Geschäftsmodelle, die oft nur mehr einen Pseudomehrwert bringen

Es wird deutlich, dass Innovation in sich weder gut noch schlecht ist, aber sehr unterschiedliche Auswirkungen haben kann. Wir stellen auch fest, dass der Fokus bei uns derzeit auf technischen Innovationen liegt, die uns teilweise überfordern und sich auch gegen uns wenden können. Manche Innovationen sind so mächtig (Atombombe), dass sie uns existentiell bedrohen.

Die Rolle von Intuition und Information

Einer der Teilnehmer bringt den Begriff der „informed intuition“ ein. Intuition, die (auch) auf Information beruht. Man könnte also sagen: Information + Intuition = Innovation, die sinnvoll und auch nützlich ist.

Mit Information, Wissen und Wissenschaft kennen wir uns aus: das ist der Boden, auf dem wir – in der westlichen Welt – stehen. Wir wurden trainiert, Wissen zu sammeln, Daten aufzubereiten und zu interpretieren und daraus Entscheidungen und Erkenntnisse abzuleiten. Big Data ist ein big topic. Es gibt allerdings Situationen, in denen uns Wissen und Daten nicht weiterhelfen, manchmal sogar behindern:

  • Wie kommen wir zu Innovationen, die tatsächlich NEU und nicht Varianten und Weiterentwicklung von Existierendem sind?
  • Wie entscheiden wir in Situationen, die unentscheidbar sind weil sie so komplex und vielschichtig sind, dass wir die Folgen nicht berechnen können und mehr Informationen nicht mehr helfen? Ist gerade hier die Nutzung unserer Intuition eine Möglichkeit?
  • Gilt Intuition als Kompetenz und als Wert, oder versuchen wir sie zu verstecken und zu rationalisieren, damit wir nicht als esoterisch und unprofessionell gelten? Hat sie einen Raum, darf sie da sein?

Was ist Intuition – kommt sie IN DIE oder AUS DER Welt?

Wir alle kennen diese Situationen, in denen Antworten, neue Ideen und überraschende Klarheit in uns auftauchen und sich als „Bauchgefühl“ oder „Intuition“ oder auch nur als „Ich habe da so ein Gefühl..“ äußern. Manchmal sind es Lösungen, die aus einer ausweglosen Situation herausführen und völlig neu sind. Manchmal versteht man nicht, wo diese herkommen.

Für mich fühlen sich diese Momente und Ideen selten so an, als hätte ich sie mir erdacht oder intellektuell erarbeitet. Es ist mehr als ob sie nicht aus mir sondern durch mich AUS der Welt IN die Welt kommen. Als wären diese schon da und ich wäre nur eine Antenne, die diese Informationen ausliest oder downloaded und übersetzt.

Es ist als ob ich an ein Netz einer Intelligenz angeschlossen, die „außerhalb“ von mir stattfindet und hervortritt. Dieses Gefühl ist auch unseren Teilnehmern bekannt. Gleichzeitig ist aber auch klar, dass hier die Grundbedingungen und die Informiertheit mitspielen: meine neuen Ideen beziehen sich meistens auf ein Feld, in dem ich ausgebildet und beruflich tätig bin (irgendwas mit Wirtschaft, Beratung, Führung und Organisationen, Kultur und Philosophie,.. ) und eher nicht in der Quantenphysik oder Lebensmitteltechnologie.

Wir können Intuition aber auch in Fragen und Bereichen nutzen, die uns nicht vertraut sind. Oft ist gerade dieses Nicht-Wissen, oder in Zen-Sprache der „Beginners Mind“ hilfreich: ich nenne es auch „qualifiziertes Nicht-Wissen“. Dabei geht es nicht um Ignoranz sondern um einen Zustand völliger Ergebnisoffenheit und damit des „Nicht-schon-alles-Wissens“, der viele Möglichkeiten von vornherein ausschließt.

Damit können wir alle etwas anfangen. Manchmal geht es einfach darum, uns selber aus dem Weg zu gehen, damit Neues entstehen kann. In uns und um uns und zwischen uns.

Wir alle haben intuitive Fähigkeiten, aber wir sind wenig geübt, diese zu nutzen und so verkümmern sie, wie alles, was nicht in Gebrauch ist. Vielmehr werden wir angehalten, Entscheidungen über unser Leben an externe Sensoren und Technologien auszulagern. Christian erzählt die Geschichte vom Moodring, der dem Träger durch die aktuelle Farbe anzeigt, wie es ihm gerade so geht – eine unserer ersten Begegnungen im Silicon Valley. Was für die einen technologischer Fortschritt und Bereicherung ist, klingt für uns nach Degenerationserscheinung und einem massiven Misstrauen in unsere eigenen Fähigkeiten, ganz ohne Bluttest zu erspüren, welche Nahrungsmittel gut für uns sind.

Innovation ohne Intuition – tot oder lebendig?

Innovation, die rein auf Daten und Wissen und Technologie beruht ist zwar möglich, aber ist sie auch wünschenswert? Könnte es sein, dass der Intuition auch eine Qualität von „beneficial“, also wohltuend und für das Allgemeinwohl hilfreich innewohnt? Dass Innovation, in der Intuition eine Rolle spielt, tendenziell weniger Schaden anrichten kann? Ist Innovation, die rein auf Daten und Wissen beruht lebendig? oder eher leblos?

Wie können wir Bedingungen schaffen, die unsere Intuition anregen und ihr Raum geben?

Einer der Teilnehmer erzählt, dass er gerade an einem Forschungsprojekt beteiligt ist, das sich mit der Frage beschäftigt, wie Gruppen ihre kollektive Intelligenz nutzen können. Ich würde noch anschließen mit der Frage, wie Gruppen und Personen nicht nur die kollektive, sondern auch die universelle Intelligenz nutzen können, die – wie ich glaube – in Feldern gespeichert ist (keine Wahrheiten hier).

Wenn wir auf unsere eigenen Erfahrungen schauen, dann ergeben sich für uns folgende günstige Bedingungen, die wir schaffen können:

  • Ortswechsel, Spaziergänge in der Natur
  • Nicht krampfhaft Nachdenken und nach Lösungen suchen, sondern das Bild ausprobieren, dass die Lösungen nicht aus sondern durch uns kommen, wenn wir den Weg dafür frei machen
  • Meditation und Ruhe
  • Ruhige Gespräche und gemeinsames Denken, mehr als Kampfdiskussionen
  • Kultivieren einer Beginners Mind (ich weiß gar nicht, was ich alles nicht weiß, und dort könnte die Lösung liegen.. )
  • eine Haltung einer „You and Me World“ zu kultivieren

Dieser Bericht ist unvollständig und ein erster Versuch, einen Live-Blog in einen schriftlichen Post zurückzuübersetzen und Gedankenanstöße zu geben.

Nach 2 Stunden waren wir gerade mal am Anfang der Themen und trotzdem fühlten wir uns angereichert und inspiriert und freuen uns auf mehr!!

Der nächste Live-Blog findet am 27.3. in Wien statt, Anmeldungen hier:

https://www.eventbrite.com/e/stories-from-the-field-die-eventserie-zum-blog-chapter-2-tickets-56184726028